Während die offiziellen Delegationen aus Lateinamerika und der Europäischen Union in Madrid zu ihrem zweijährlichen Gipfeltreffen eintrafen, wurde am Montag Vormittag das Urteil des „Permanenten Tribunals der Völker“ verlesen. Im Rahmen des Gegengipfels „Enzalando Alternativas“ (Alternativen Verknüpfen), der vom 14. bis 18. Mai die wirtschaftspolitische Ausrichtung des Gespräche zwischen Lateinamerika, der Karibik und der EU kritisiert, hat dieser symbolische Gerichtshof 27 transnationale Unternehmen angeklagt.
Wie bereits während der Doppelgipfel 2008 in Lima und 2006 in Wien, standen die Auswirkungen neoliberaler Wirtschaftspolitik und die konkreten Verletzungen von Menschen-, sozialen und ökologischen Rechten durch die Unternehmen im Mittelpunkt. Zumeist geht es um Fälle in Lateinamerika, wo die transnationalen Unternehmen europäischen Ursprungs ohne ernsthafte Auflagen oder effektive staatlicher Kontrolle ihrem Gewinnstreben nachgehen können. Angeklagt waren unter anderem der Konzern Thyssen Krupp, der in Südbrasilien ein Stahlwerk baut, ohne die Umweltauflagen und geltende Arbeitsrechte einzuhalten. Bayer wurde wegen seiner Aktivitäten in Peru im Bereich der Agrarindustrie und Pestiziden angeklagt. Und bei Repsol ging es um die Förderung von Erdöl und Gas in Bolivien und Ecuador.
Bei der allgemeinen Urteilsverkündung wurde hervorgehoben, dass auch bei diesen symbolischen Prozessen die Opfer ins Blickfeld gerückt werden müssen, „diejenigen, die oftmals ihre Lebensgrundlage verlieren, ohne dass die Verursacher dafür zur Rechenschaft gezogen werden“. Ebenso wurde deutlich gemacht, dass „die politisch Verantwortlichen der EU als Komplizen der unmittelbaren Täter gesehen werden müssen, wenn sie mittels Freihandelsabkommen oder öffentlicher Kreditvergabe die systematischen Verletzungen von der Menschen- und Arbeitsrechten in Lateinamerika befördern“, so Marcos Aruda, brasilianischer Wirtschaftswissenschaftler und Jurymitglied.